Liebherr R945 S-HD Raupenbagger im Eigenbau

  • Heute ist der Tag gekommen, an dem ich meinen Baubericht zu meinem ersten Modell-Baustellen-Gerät starten möchte. Lange Zeit habe ich hier und in anderen Foren gestöbert, mich viele Stunden auf Modellbaumessen an den Exponaten der verschiedenen Hersteller inspirieren lassen, um eigentlich immer wieder zur gleichen Erkenntnis zu gelangen - nee, zu viel Metall, zu wenig richtiges Werkzeug in der Werkstatt, zu wenig Geld in der Modellbaukasse und überhaupt...

    Und dann denke ich mir, dass in meiner über die Jahre gewachsenen 9m²-Modellbauwerkstatt "die fünf Reibahlen" den Kohl auch nicht mehr fett machen. Und mit zunehmendem Alter muss so ein Modell auch nicht mehr nächste Woche Donnerstag fertig werden (vor 40 Jahren war das definitiv anders). Und letztlich macht das Machen den Unterschied. Also keine langen Ausreden mehr, warum es aktuell mal wieder nicht möglich sein sollte.

    Dem gesamten Projekt sind natürlich zahlreiche Recherchen voraus gegangen. Schließlich gibt es mittlerweile in Deutschland und auch in Übersee zahlreiche Hersteller, die RtR-Modelle oder Bausätze für (fast) überschaubares Geld anbieten. Und mir wurde schnell vor Augen geführt, dass die dafür aufgerufenen Preise einen berechtigten Grund haben. Denn die einzelnen Komponenten haben alle ihren Preis - selbst wenn man hier und da mal beim Chinamann bestellt. Da will ich über die Planung, Konstruktion und Produktion gar nicht nachdenken. Die Zeit (und für Hersteller somit das Geld), die man vor dem Computer sitzt, um seine Gedanken im CAD zu überführen und das notwendige Material zu suchen (Zahnräder, Planetengetriebe, Motor, etc.). Eines steht für mich fest - der Eigenbau wird in keinem Fall günstiger als ein Bausatz "Made in Germany" werden.

    Einen finalen Anstoß zu meinem Projekt hat mir der Baubericht vom Finn (Golden Creek Mining) über seinen wunderschönen Volvo EC400F (klick) gegeben - vielen Dank dafür. Die eine oder andere Idee werde ich für mich definitiv adaptieren (u.a. Bleche von Cutworks).

    Was wird des denn nun? Die Überschrift lässt es bereits erahnen. Es wird ein Liebherr R945 in der Variante S-HD im Maßstab 1:14 und er soll scale-nahe gebaut werden (ich werde nicht jede Schraube zählen (können)), denn ich befürchte, dass an der einen oder anderen Stelle "form follows function" greifen wird bzw. ich auch nicht jedes Teile selber fertigen kann. Ein Liebherr ist es aus reinem Patriotismus geworden. Von der Kinematik wäre es letztlich schnuppe, ob da Liebherr, Volvo oder Komatsu drauf steht.

    Die Teile, die ich nicht selber herstellen kann oder möchte, habe ich zu großen Teilen bereits gekauft, damit ich die realen Abmessungen in meiner Planung und Zeichnung berücksichtigen kann. Das wären:
    - Raupenketten von Lesu in der Breite 45mm (Original 600mm)
    - Hydraulikpumpe von Devil Model
    - Kugel- und Axiallager
    - Brushless-Motoren und zugehörigen Regler
    - Zahnräder und Planetengetriebe

    Hydraulik wird für mich absolutes Neuland sein. Dennoch möchte ich die Hydraulikzylinder und auch die Ventilblöcke selber herstellen. Hierzu habe ich mir beim VTH-Verlag auch schon etwas Lektüre besorg und es wird in jedem Fall eines der spannendsten Themen für mich werden. Ach ja, die Metallbearbeitung resp. das dauerhafte Verbinden von Metallen ist auch absolut neu für mich, weshalb ich aktuell viel Zeit in der Garage verbringe, um das Schweißen zu lernen - was wieder in sich ein absolut cooles Hobby ist.

    Von der Vorgehensweise wird es so sein, dass ich in Fusion360 konstruiere und parallel baue. Daher habe ich auch noch keine fertigen Zeichnungen, die hier am Anfang gezeigt werden könnte. Aber einen ersten Eindruck, wo die Reise in den nächsten Tagen, Wochen, Montagen (und vermutlich auch) Jahren hingehen wird - es wird also spannend...



    Auf dem Foto sind schon die ersten Teile zu erkennen, die ich bereits gebaut habe. In den folgenden Berichten werde ich im Detail auf die einzelnen Teile näher eingehen und den konkreten Aufbau und meine Gedanken dazu erläutern. Selbstverständlich bin ich für Eure Fragen, Anregungen und Erfahrungen maximal empfänglich.

    Viele Gruß, Kay

  • ....Hast du die Maschinen um die Ventile zu fräsen und drehen?

    Hallo Holger,

    wie bereits in meiner Vorstellung (klick) geschrieben, habe ich ein paar ganz brauchbare Maschinchen in meiner Werkstatt stehen...

    ...CNC-Fräse (Stepcraft M500), Drehbank (Proxxon PD360), 3D-Drucker (Ender3 V3), WIG Schweißgerät (Stahlwerk PulsPro 200)

    Ob ich damit Ventile und Zylinder herstellen kann, wird sich erst noch zeigen. Aber ich bin vorsichtig optimistisch. In den Bauberichten wird oft der Eindruck vermittelt, dass das nur so fluppt, wenn die richtigen Maschinen am Start sind, aber da ist (zumindest bei mir) auch viel Try & Error dabei. Da muss ich mir nur meinen Haufen an sinnlos geschweißten Alublechen anschauen. Ich werde in jedem Fall berichten :Sterne:

  • Hallo Zusammen,

    in den ersten Bildern ist ja bereits zu erkennen, dass ich das eine oder andere Teil bereits gebaut habe. Zunächst versuche ich die Teile zu planen und zu bauen, mit denen ich bisher aus meiner Modellbaulaufbahn die wenigsten Erfahrungen habe. Grundsätzlich plane ich von unten nach oben - also zuerst das Fahrgestell, Drehkranz und dann irgendwann geht es Richtung Löffel (in X Jahren 8):sleeping:).

    Bei dem Drehkranz konnte ich nicht wirklich viel im Internet finden, wie dieser im Modell bzw. im Original aufgebaut ist. Von daher habe ich für mich den Weg über Axiallager gewählt . Der drehbare Teil ist quasi in einem Sandwitch von zwei Axiallagern gepackt. Damit ich das Spiel justieren kann, befinden sich oben sechs M3 Madenschrauben, die auf einen weiteren Ring drücken. Macht bisher einen recht guten Eindruck und es wackelt nichts. Beide Ringe (innen und außen) sind aus einem 25mm Alublock gefräst und auf der Drehbank nachbearbeitet worden. Der Zahnkranz ist ein gekauftes Teil vom Chinamann (Modul 1).

    Soweit zum Stand der Dinge...

    Viele Grüße, Kay

  • Weiter geht es mit dem Antrieb für die Raupenketten. Hier habe ich fertige Teile von Lesu im Land der aufgehenden Sonne bestellt. Zunächst habe ich ein Set mit 2 Ketten a´ 50 Gliedern bestellt. Schnell wurde klar, dass das nicht ausreichen wird. Das Original hat 53 Glieder und um die Originallänge des Laufwerkes am Modell zu realisieren benötigt man von den Lesu-Gliedern 58 Stück auf jeder Seite pleading_face . Nachdem ich direkt mit dem Lesu-Händler in China in Kontakt getreten bin, hat er mir 16 einzelne Glieder zu humanen Versandkonditionen heute zukommen lassen thumbs_up


    Die Ketten machen an sich einen sehr guten Eindruck und mit der Breite von 45mm entsprechen sie beim Original der Breite von 600mm - passt also. Gott sei Dank waren die ersten beiden Ketten bereits fertig montiert. Für die 16 zusätzlichen Glieder habe ich heute ein gute Stunde benötigt, die Löcher nachzubohren und die Bolzen zu verschrauben. Der Innensechskant ist irgendetwas zwischen 1,3 und 1,4mm.

    Bei den Motoren habe ich mich für 28mm BL-Motoren mit 810kV an 3s (11,1V) entschieden. Die vorgeschalteten 28mm-Planetengetriebe haben eine Untersetzung von 51:1 und eine weiter Getriebestufe mit Stirnrädern hat eine weitere Untersetzung von 2,22:1. In Summe sollte der Bagger dann 1,15 km/h als Modell fahren - was dann turboschnelle 14,5 km/h beim Original wären (also immer noch viel zu schnell). Für den Zusammenbau von Motor und Getriebe musste die Motorwelle gedreht werden (die Welle ging an der Glocke raus) und die Welle musste von 4mm auf 3,07mm abgedreht werden. Das Ritzel für das Getriebe wurde mit einem Topfen Loctite 638 aufgepresst.

    Bei der Aktion musste ich auch schon das erste Lehrgeld zahlen, da ich anfänglich 38mm-Planetengetriebe bestellt hatte, die letztlich aber nicht in das Laufwerk passen würden. Da geht es um jeden Millimeter.

    Soweit zum Stand der Dinge.

    Viele Grüße, Kay

  • Hallo Kay,

    Super Arbeit was du bisjetzt hier zeigst, verspricht ein toller Bericht zu werden, da bleibe ich auf jeden Fall dran.

    Und das Problem mit jedem Millimeter im Laufwerk kommt mir irgendwie bekannt vor.

    Weiter so👍

    Gruß Finn

    Wer Schreibfehler findet, darf sie behalten :warsnicht: